Die Brüder Jesús und Oscar, 17 und 19 Jahre alt, sind in Junín, Kolumbien, aufgewachsen. Bis heute haben sie ihr Leben in diesem abgelegenen Dorf im Norden des Landes verbracht.
Ihr Vater, ein wichtiges Gemeindemitglied im Dorf, starb vor einem Jahr. Seine Leidenschaft fürs Baseballspiel sowie sein Mut leben aber in den Söhnen weiter, denn trotz ihres jungen Alters haben sie Rollen als junge Führungskräfte übernommen und unterstützen sich gegenseitig bei dieser neuen Herausforderung. So trainieren sie jetzt jüngere Freunde und Kinder aus dem Dorf in wöchentlich stattfindenden Baseballtrainings und Sensibilisierungsveranstaltungen. Dabei wenden sie die Techniken und Methoden an, die sie von klein auf von ihrem Vater gelernt haben.
Die beiden Brüder schätzen es sehr, dass sie dank der Unterstützung der Grupo Internacional de Paz (GIP), insbesondere durch die Bereitstellung von Sportausrüstung und Hilfe bei der Programmstrukturierung, in die Fussstapfen ihres Vaters treten konnten. Ebenfalls dankbar sind sie, dass sie an einer technischen und methodologischen Ausbildung teilnehmen durften, die von GIP, der Nationalen Baseball Föderation und der World Baseball and Softball Confederation (WBSC) durchgeführt wurde. Der Workshop ermöglichte den Coaches – wie es Jesús und Oscar sind – einen Erfahrungsaustausch zur Vermittlung von qualitativ hochwertigen Sporttrainings und förderte gleichzeitig die Selbstreflektion zu ihrer leitenden Rolle innerhalb der Gemeinschaft. Auch wie Sport genutzt werden kann, um Veränderungen anzustossen und Prozesse hin zu friedvollen Gesellschaften zu initiieren, sowie um die positive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu fördern, wurde ausgiebig diskutiert. Ein regionaler Koordinator von GIP war beeindruckt, wie die beiden Brüder die Methodik und ihre Anwendung verinnerlicht hätten, wie sie gewachsen seien, Vertrauen in ihre Fähigkeit gewonnen hätten und so einen wertvollen Beitrag für ihre Gemeinschaft leisten.
Teilnehmende des „Hitting a Home Run for Peace“ Programms
Junín ist eine der Gemeinden, die beim Programm «Hitting a Home Run for Peace» mitmacht, welches in Partnerschaft mit der GIP implementiert wird und das Ziel verfolgt, soziale Transformation, Frieden und nachhaltige Karriereaussichten für Kinder und Jugendliche zu fördern. Wie viele Regionen im Land, steht auch Junín vor zahlreichen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem bewaffneten Konflikt der letzten Jahrzehnte, welcher weiterhin die Wirtschaft und die Umwelt beeinträchtigt, die Gesellschaft spaltet und zu Unsicherheit und Gewalt führt.
Jesús bestätigt dies: «Die meisten meiner Freunde in meinem Alter haben das Dorf bereits verlassen oder planen dies zu tun, um Arbeit in der Stadt zu finden. Es gibt hier nichts für sie zu tun oder sie haben Angst, von bewaffneten Gruppen entführt und zum Kämpfen gezwungen zu werden». Entschlossen fügt Oscar hinzu: «Ich liebe es, hier zu leben und ich will das Dorf nicht verlassen. Ich möchte eine führende Rolle in der Gemeinschaft übernehmen. Wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen, können wir in Junín viele Projekte realisieren und einen guten Ort daraus machen. Ich teile diese Gedanken gerne mit anderen Jugendlichen und den Erwachsenen im Dorf. Ich freue mich sehr auf die Schulung zu unternehmerischen Kompetenzen, denn ich glaube hier gibt es viele Möglichkeiten, um ein Business zu starten.»
Und in der Tat gibt es diese: Ein Teil der Frauen (insbesondere Mütter) haben seit unserem letzten Austausch mit Oscar an einer unternehmerischen Ausbildung, geleitet von einer lokalen Lehrperson mithilfe des Kurrikulums und Unterrichtsmaterialien der SA4D, teilgenommen. Dank dieser Ausbildung haben die Teilnehmerinnen gemeinsam entschieden zu lernen, wie man «achote» produziert (ein lokales Korn in Pasten- oder Puderform, das für die Würze von traditionellen Gerichten verwendet wird). Das Endprodukt können sie dann auf dem Markt verkaufen. Dies ist die erste nachhaltige Unternehmensinitiative in Junín – weitere werden noch folgen.
Ein weiteres grosses Ereignis für das Dorf war die Einrichtung eines Internetzugangs. Dadurch hat sich die Distanz zur Welt im abgelegenen Junín – zumindest virtuell – ein wenig verringert.